Privates Kultur- und Geschichtsprojekt. Keine Verbindung zum Eigentümer von Schloss Ramholz.
Parkteich in Ramholz mit Spiegelung, dahinter ein rotes Gebäude und ein Fachwerkhaus

Gartendenkmal

Ein Park von Rang

Entworfen von seinem Bauherrn selbst, ausgerichtet auf den Geburtsort Ulrichs von Hutten und durchzogen von einem kunstvollen Wassersystem. Fachlich zählt der Park zu den wichtigsten Anlagen des Historismus in Deutschland; in der großen Gartenliteratur kommt er bis heute kaum vor.

Die maßgebliche Darstellung stammt von dem Landschaftsarchitekten Hans Dorn, erschienen 2006 in Hamburg. Sie beschreibt einen Park, den sein Bauherr selbst entworfen hat: Hugo von Stumm wollte Schloss, Park und Landschaft zu einem Gesamtkunstwerk verbinden.

Lange blieb der Park unbekannt. Er war nur freitags außerhalb des Pleasuregrounds geöffnet, und kein Gartenhistoriker hat ihn erfasst. Gewürdigt wurde er erst um die Jahrtausendwende.

Fläche73 Hektar nach Dorn
Anlage1883 bis 1910
EntwurfHugo von Stumm, nach Pückler
AusführungObergärtner Felix Schnetzer
Rundgang29 Stationen in 5 Bereichen
FluchtpunktSteckelburg, Geburtsort Huttens

Urheber

Wer den Park geschaffen hat

Der Bauherr

Hugo von Stumm lernte bei Pückler und in den Parks Englands und entwarf den Park selbst. Sein kommentiertes Exemplar von Pücklers „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ liegt noch in der Schlossbibliothek.

Der Obergärtner

Felix Schnetzer kam Weihnachten 1883 aus Bayern und blieb über fünfzig Jahre. Nach Stumms Tod vollendete er den Park mit Ludovica von Stumm.

Der Gartenkünstler

Jöns Persson Lindahl lieferte Skizzen, darunter die Lindenallee, und starb 1887. Die verbreitete Zuschreibung des ganzen Parks an ihn trifft nicht zu.

Architekten und Bildhauer

Gabriel von Seidl baute Kegelbahn und Gruftkapelle, Arnold Hartmann versetzte den Hutten-Pavillon aus Würzburg, Johann Martin von Wagner schuf die Figuren an den Treppen.

Konzept

Die Idee

Die humanistische Achse

Vom Portal über den Brunnen der Schlossfreiheit und die Renaissancetreppe läuft eine Linie bis zur Steckelburg, dem Geburtsort Ulrichs von Hutten. Links vom Turm setzte Stumm sein Wappen zwischen die der Hutten und Degenfeld. Heute verdeckt Bewuchs an der Nordtreppe den Blick.

Ein Park der Epochen

Jede Epoche ist vertreten, als Relikt oder als Zitat: Jugendstilgruft, Rokokopavillon, chinesisches Teehaus, ländliches Hameau, italienische Treppe, Sphinxen. Die Räume folgen einer Abfolge von hell zu dunkel und vom gepflegten Garten am Haus zur Wildnis an den Rändern.

Das ganze Tal

Stumm gestaltete über den Park hinaus die ganze Landschaft, mit Baumgruppen auf Wiesen und Hängen und den Häusern seiner Arbeiter als Teil des Bildes. Einen Fremdkörper nennt Dorn: den Bahndamm, der das Tal zerschneidet.

Wasserbau

Das Wasser

Der Boden aus Lavatuff ist voller Quellen, und Stumm hat sie zu einem System verbunden. Aus einer Quellkammer nahe der Gruft fällt das Wasser über Kaskaden, Wassertreppen und Tosbecken durch zwei Teiche mit Fontänen, speist einen Eiskeller und läuft über Klangsteine ins Tal. Dazu kamen Druckleitungen für Schloss und Gutshof und Strom aus Wasserkraft. Horst Becker hat die Anlage 2014 als einmaliges Wasserkraftwerk der Industrialisierung beschrieben.

Zu Teich, Eiskeller und Alleebrücke · Zu Quellkammer und Katarakt

Denkmal

Schutz und Zukunft

Seit den 1970er Jahren steht die Anlage auf der hessischen Denkmalliste, nach Dorn unvollständig und ohne feste Grenzen. Seit 1995 kümmert sich der Förderkreis Schlosspark Ramholz um das Gartendenkmal; er ließ den Hutten-Pavillon sanieren. Parkforste und Wiesen sind inzwischen großenteils aus dem Schutz entlassen.

1979 zählte ein Reporter noch 30 Hektar gepflegten Park mit Tennisplatz, Karpfenteichen und Badesee. In den 2000er Jahren gingen große Teile der Ländereien und der dritte Parkabschnitt an einen anderen Besitzer.

Was sich wiederherstellen ließe

Sieben Vorschläge von Hans Dorn
  • das Chinesische Teehaus nach den erhaltenen Plänen wieder aufbauen,
  • den Rosengarten von der Lärchenpflanzung befreien und die Figurengruppe wieder sichtbar machen,
  • die forstartige Pflanzung am oberen Hauptweg auslichten, damit die Blickfenster zur Burg wieder aufgehen,
  • die Lindenallee auslichten und sanieren,
  • die Fichten am Tierfriedhof entfernen und den Blick ins Tal öffnen,
  • die Achse zur Steckelburg an der Nordtreppe freistellen,
  • die Grenzen des Gartendenkmals festlegen und die Denkmalliste um Maschinenhaus, Orangerie und Rentnerhaus ergänzen.

Was zugänglich ist

Der öffentliche Teil des Parks und die Gruftkapelle im Wald sind begehbar, die Gärten am Schloss nicht. Führungen bieten der Naturpark Hessischer Spessart und einzelne Kenner der Anlage von Zeit zu Zeit an.

Quellen

Hans Dorn, Der Schlosspark Ramholz, Hamburg 2006, und die Forschungen von Horst Becker. Alle Nachweise auf der Quellenseite.